Daniel Langes »Puppertätsmärchen« als freies Weiterspinnen nach SCHMETTERDINGE

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[Blogarchiv Theater der Dinge 2018: Von der verlorenen Zeit]

Es war einmal eine Schmetterlingspuppe, Osiris, die kam in die Puppertät. Die Puppertät ist eine schwierige Zeit. Das wissen wir alle. Haben wir auch schon gemacht, die Puppertät. Durchgemacht. Von vorne bis hinten. Zum auf die Wande steigen war das. Man puppertiert so vor sich hin. Die Schmetterlingspuppe hatte auch keine Lust drauf. Da muss man durch. Die Puppertät, das Nadelöhr des Lebens. Die Schmetterlingspuppe fliegt so von Hormohn zu Hormohn, ein furchtbarer Trip. Alles camouflagiert, eingepuppt in einen Kokon von Pickeln. Kein Wunder, dass man denkt, es wird kein morgen geben. Man muss sich ablenken. An die Zukunft denken, trotz allem.

Die Schmetterlingspuppe wundert sich, ob es auch für die Schmetterlingspuppe ein süßes Püppchen gibt, am besten mit ganz großen Pupillen und natürlich vielen Pupplikationen. Ohne Pupplikation ist man heute ja nichts mehr. Wer nichts zu sagen hat, kann auch gleich eingepuppt bleiben. Gerade als Schmetterlingspuppe. Die muss sich pupplizieren, ihre Öffentlichkeit suchen. Eines Tages fand unsere Schmetterlingspuppe ihr Püppchen. Sie war süß wie Puderzucker. Sie hatten sich so viel zu sagen. Sie träumten von einem Puppenhaus mit Pudel. Aber ihr Glück wurde ihnen schnell fad. Ihr Puppengruppensein machte sie steif wie Puppsickels und schmolz dahin. Hing bald nur noch am seidenen Faden. Dann gab niemand mehr einen Pupps. Fading, fading. Eines Tages riss dann auch der letzte Faden und zwei Schmetterlinge sprangen aus ihrem Kokon. Happy End.

Daniel Lange promoviert am German Department der Brown University, Providence.

Die Lecture Performance mit Objekten „SchmetterDinge“ von Florian Feisel wurde vom 09. – 11.11. an der Schaubude aufgeführt. Die Objekte sind noch weiterhin im Foyer ausgestellt.

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