#remindsmeof Schaubude, HINTER DEM VORHANG: DIE KÜCHE

Von Beate Absalon und Sebastian Köthe

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Die Küche im Künstler*innen-Backstage

Links an der Bühne vorbei durch einen schwarzen Vorhang, eine schmale Tür, diebisch durch den Hinterraum voller Technik und Hebel, dort eine schmale Treppe hoch, dann noch einmal scharf nach rechts bis man quasi durch die nächste Tür stolpert – hinein in die Küche der Schaubude: Fenster zum Hof, die ratternde S-Bahn im Hintergrund, mit Platz für vielleicht sechs Stühle und noch einmal so viele Sitzkissen.

Wie sich auch auf WG-Partys auf unerklärliche Weise die meisten irgendwann im kleinen Raum der Küche zusammengerückt amüsieren und diskutieren, so ist das auch in der Schaubude. Ob bei Theater der Dinge oder dem Dystopischen Salon, die Küche ist Versammlungsort, Schlupfwinkel und inoffiziell-offizielle Bühne hinterm Vorhang geworden. Hier haben wir vor Publikumsdiskussionen die Künstler*innen kennengelernt, an partizipativen Performances teilgenommen und Interviews moderiert. Beim Bericht des Journalisten Gellert Tamas über den Amoklauf des so genannten Lasermanns knarzten die Rattansessel; umrahmt von Regalen mit Melittafiltern und Kamillentee spricht der Musiker René Duursma über den heiklen Umgang mit privatem Bildmaterial in Filmarchiven.

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Ein bisschen odd.

Die Schaubuden-Küche ist heimelig ohne auf Hygge zu machen. Bodenständig. Und ein bisschen odd. Da blicken von ihren Sitzkissen, weil sonst wirklich keine Stühle mehr reinpassen, die Zuhörer*innen zum Punker Karl Nagl auf, der anhand eines Schaumkusses über Politik philosophiert. Die Küche als Ort des Zusammenkommens, Communitas, Versammlung um das Feuer. Das ist ein so alter Topos, weil er wahr ist: die Packung mit dem Schaumküssen wandert durch das Publikum und wir streiten über Anarchismus.

Ein anderes Mal ist es der Wodka, der wandert, weil uns Marc Villanueva Mir und Gerard Valverde in ihrer interaktiven Brettspielperformance Der Kandidat betrunkenmachen, um gleichzeitig Gemeinschaft und Zwist zwischen uns zu stiften. In der Küche der Schaubude wurden wir genährt: mit Schaumküssen und Wodka, Kunst und Gesprächen und dem Vergnügen neuer Bekanntschaften. Jetzt wo alle durch #physicaldistancing so gar nicht mehr zusammenrücken dürfen, sehnen wir uns nach der Schaubudenküche als Foyer, Bühne und Werkstatt der Nähe. Umso mehr freuen wir uns auf den Moment, in welchem wir gemeinsam wieder konspirativ hinter die Bühne die Treppe hinaufhuschen können.

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Sebastian Köthe und Beate Absalon bei der interaktiven Performance »El Candidato«

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