#extra: Hörversion UMAI, DAS MÄDCHEN VOM FLUSS von Ulrike Monecke

Jeden Abend beobachtet das Mädchen Umai am abendlichen Himmel das Grüne Licht. Ihre Begeisterung für dieses Naturschauspiel ist so groß, dass sie sich eines Tages auf die Reise begibt. Sie überquert in einem Kanu den Ozean bis zum Horizont und darüber hinaus.

Umai VII

Eine All-täglich kosmische Geschichte aus dem ur-ur-ur-ur-ur-alten nordamerikanischen Kalifornien für alle ab 5 – als Audioadaption (Dauer: 40 min) auch gut geeignet für blinde und sehbehinderte Menschen! Mit Hintergrundinfos zu Kontext und Entstehungsgeschichte.

Diese Hörversion von »Umai, das Mädchen vom Fluss« ist ein Corona-Experiment. Sie entstand im interaktiven Homeoffice und im Theaterraum der Schaubude: In den vergangenen Wochen entwickelten wir sie auf der großen Bühne und im Zuschauer*innensaal auf Grundlage des gleichnamigen Theaterstücks.

Da Ulrike Monecke im März leider nicht mehr für euch spielen konnte, haben wir uns überlegt, euch die Geschichte ohne sichtbare Bühne, nur für die Ohren zu erzählen. Dabei hielten wir nicht nur Ulrikes Stimme, sondern auch unsere saaltypischen Geräusche fest – manchmal sind die Nachbarn zu hören, oder die S-Bahn … ganz leise.

Es klingt also wirklich nach Schaubude. Und vielleicht, wenn ihr die Augen schließt, seht ihr ja doch etwas? …


Textentwicklung, Stimme: Ulrike Monecke
Textentwicklung, dramaturgische Beratung: Almut Wedekind
Technische Betreuung: Jiaqi Yan
Schnitt: David Scholz, Almut Wedekind
Dauer: 40 Min
Eine Produktion des Theater Ozelot in Kooperation mit Schaubude Berlin
Nach einer Geschichte aus »Büffelfrau und Wolfsmann« von Frederik Hetmann, Königsfurt-Urania Verlag (2001), S.171.

Eine Hörversion der Erzähltheaterproduktion »Umai, das Mädchen vom Fluss – oder Das wiedergefundene Nichts«, eine Koproduktion mit: Schaubude Berlin 2017, Regie: Gabriele Hänel.


Hintergründe zu UMAI auch für kleine Zuhörer*innen

So, wie wir die Geschichte über Umai heute kennen, hat sie einen sehr langen Weg hinter sich. Ihre Ursprünge sind uns nicht gut bekannt. Wie sie in dem Buch steht, das wir gelesen haben, um daraus unseren eigenen Text zu gestalten, wurde sie 1959 von Theodora Kroeber in englischer Sprache aufgeschrieben, damit Erwachsene sie lesen konnten. Sie wollte die Geschichten bekannt machen, die sich Menschen erzählten, die in Amerika lebten, lange bevor sehr viele Menschen aus Europa aufbrachen, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen.

Das war ungefähr vor 250 Jahren. Die Menschen aus Europa kamen nach Amerika und nahmen dort Land in Besitz. Sie brachten ihre eigenen Kulturen, ihre eigenen Krankheiten und ihre eigenen Sprachen mit sich und hatten nur wenig bis gar kein Verständnis für die Kulturen, Sprachen und Lebensweisen der Menschen, die dort in Amerika schon lange Zeit vor ihnen lebten. Immer wieder gab es Gerüchte von viel Gold in den Flüssen und im Boden Amerikas. Zuletzt vor gut 150 Jahren. So kam es, dass sehr sehr viele Menschen aus Europa nach Amerika aufbrachen, um dort nach Gold zu suchen. Vielen von ihnen ging es in Europa nicht besonders gut. Es herrschte ein regelrechter Goldrausch und hohe Konkurrenz unter den Goldsuchenden.

Die meisten der Menschen, die schon lange in Amerika lebten, hatten Gold bisher nicht als Geld benutzt und somit nur wenig Verständnis für diese Idee. Dennoch erschienen sie den Menschen aus Europa als störend oder gar als Gefahr für ihre rauschhafte Gier nach Gold. So kam es, dass viele von ihnen umgebracht wurden, dass in Nordamerika, wo unsere Geschichte spielt, Englisch als Amtssprache durchgesetzt und der christliche Glaube zum wichtigsten Glauben erklärt wurde. In anderen Regionen in Amerika spricht man heutzutage vornehmlich Spanisch oder Portugiesisch aus diesem Grund. Viele Lebensweisen der Menschen, die zuvor lange Zeit in Amerika gelebt hatten, ihre Sprachen und Kulturen, wurden dadurch verdrängt, unterdrückt oder gar gänzlich vergessen.

Theodora Kroeber wollte 1959 an diese Kulturen erinnern. Sie war die Ehefrau von Alfred Kroeber. Er wurde vor 140 Jahren geboren und starb vor 60 Jahren. Also eure Großeltern hätten ihm vielleicht gerade so noch begegnen können. Alfred Kroeber war ein Anthropologe in Amerika. Anthropologie kommt aus dem Altgriechischen und heißt ánthrōpos = Mensch und logos = Wort. Das heißt, er war ein Forscher, der über die Erzählungen der Menschen über die Menschen forschte.

Sein Großvater wiederum war einer der Europäer, die nach Amerika gekommen waren, um dort ein neues Leben anzufangen. Dieser Großvater kam sogar aus Deutschland, genauer aus Kröbern, einem kleinen Dorf in Thüringen. Und da man in der neuen Welt oft auch neue Namen bekam, nannte man den Großvater von Alfred Kroeber nach dem Ort, aus dem er kam.

Alfred lernte zu Hause Deutsch und Englisch und in der Schule auch noch Griechisch und Latein und studierte die Menschenkunde. Dabei interessierte er sich sehr für die alten Sprachen von Amerika. Er sammelte Wörter und Sätze und Klänge und begann, die einzelnen kleinen Sprachen zu größeren Sprachfamilien zusammenzufassen. Zu je einer Sprachfamilie gehörten viele kleinere Dialekte, die aber große Ähnlichkeit besaßen. Eine dieser Sprachen war: Karuk. Die Menschen, die Karuk sprachen, nannten die Menschen, die sich die Geschichte von Umai erzählten: Yurok. Und so übernahm es auch Alfred Kroeber. Die sogenannten Yurok haben in ihrer eigenen Sprache aber eigene Namen, wie zum Beispiel Puliklah, Peycheeklo oder Oohl.

Auch Theodora studierte die Anthropologie, die Kunde von Menschen. Und das war vor 100 Jahren, als sie das machte, wirklich sehr ungewöhnlich, da Frauen zu dieser Zeit noch nicht lange studieren durften. Viele von ihnen wurden noch dazu erzogen, sich zu wünschen, Ehefrau eines Mannes und Mutter von Kindern zu werden ohne einen eigenen Beruf auszuüben oder eigenes Geld zu verdienen.

Alfred und Theodora lernten sich an der Universität kennen und heirateten. Zusammen erforschten sie weiter die Kulturen der Menschen, die schon in Amerika lebten, bevor so viele aus Europa gekommen waren. Sie setzten sich dafür ein, dass diese Menschen weiterhin dort und so leben konnten, wie sie es schon seit langer langer Zeit taten und dass ihre vielen verschiedenen Kulturen erhalten blieben.

Hierfür ließen sie sich auch viele Geschichten erzählen. Eine davon war die Geschichte von Umai. Sie wurde ihnen von einem Mann erzählt, der zu den Puliklah gehörte. Er hieß Robert Spott und er war ein Mann, der seine eigene alte Kultur so genau wie möglich studiert hatte.

Umai

Bilder/Text: Almut Wedekind

Über die Puliklah

Die Puliklah leben bis heute im Norden Kaliforniens. Einige von ihnen sind bis heute sehr darum bemüht, die eigene Stammeskultur zu erhalten. Auf der Internetseite ihres Stammes beschreiben sie ihre Geschichte so:

Vor langer Zeit lebten unsere Leute in über fünfzig Dörfern in unserem angestammten Gebiet. Die Gesetze, die Gesundheit und die Spiritualität unseres Volkes waren von europäischen Kulturen unberührt.

Kulturell sind unsere Leute als große Fischer, Aale, Korbflechter, Kanuhersteller, Geschichtenerzähler, Sänger, Tänzer, Heiler und starke Medizinleute bekannt. Bevor wir den Namen Yurok erhielten, haben wir uns und andere in unserer Region mit unserer eigenen Sprache bezeichnet. Wenn wir uns auf uns selbst beziehen, sagen wir Oohl, was Ureinwohner und Ureinwohnerinnen bedeutet. Wenn wir uns auf Menschen beziehen, die am Klamath River flussabwärts leben, nennen wir sie Pue-lik-lo‘ (Menschen am unteren Teil des Flusses), die am oberen Klamath River sind Pey-Cheek-lo‘ (Menschen am oberen Teil des Flusses) und Menschen an der Küste nennen wir: Ner- ‚er-ner‘ (Menschen an der Küste). Der Klamath River ist die Lebensader unseres Volkes, da uns die meisten Lebensmittel wie Ney-Puy (Lachs), Kaa-Ka (Stör) und Kwor-Ror (Kerzenfisch) aus diesem Fluss angeboten werden.

[…]

Unser Weg war es, niemals zu viel zu ernten, sondern nur so viel, wie wir gerade benötigten, um so unserer Lebensmittelversorgung für zukünftige Generationen sicherzustellen. Heute nennt man das nachhaltiges Wirtschaften.

Unsere traditionellen Familienhäuser und Schwitzhütten bestehen aus umgestürzten Keehl (Redwood-Bäumen), die dann in Redwood-Bretter geschnitten werden. Es war üblich, dass jedes Dorf mehrere Familienhäuser und Schwitzhütten hatte. Heute sind nur noch wenige Dörfer mit traditionellen Familienhäusern und Schwitzhütten erhalten. Unsere traditionellen Geschichten lehren uns, dass die Redwood-Bäume heilige Lebewesen sind. Obwohl wir sie in unseren Häusern und Kanus verwenden, respektieren wir die Redwood-Bäume, weil sie als Wächter über unseren heiligen Orte stehen. Die Yoch (Kanu-) Hersteller sind für ihre intuitive Handwerkskunst bekannt. Die Hauptfunktion der Kanus besteht darin, Menschen den Fluss hinauf und hinunter zu bringen und auf See zu reisen.

[…]

#extra #umai

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