Stella Konstantinou über „Don Quijote“

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wir sind so gut in der Zeit, die fünf Minuten machen doch nichts.*

Als erstes sehe ich und höre ich zwei Frauen auf der Bühne, die gleich über zwei sehr, sehr gründliche Themen sinnieren. Es sind im Prinzip zwei Dinge die das Leben, das Theater und das Leben mit dem Theater der Dinge ausmachen: Zeit und Vorstellungskraft. Und sie machen gleich Theater damit, von Anfang an. Denn sie handeln und verhandeln und spielen mit genau diesen zwei Dimensionen. Es geht um Don Quijote, das ist der Anlass welcher uns zusammenbringt: mit „uns“ meine ich Sigrun Kilger und Annette Scheibler, Don Quijote, Sancho Panza, ein Ross, ein Esel, das Publikum und eine eigensinnige Gitarre.

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In der Mitte der Nacht steigt die Helligkeit nicht. Beate Absalon über „Chronik der Zukunft“

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Um überhaupt anfangen zu können, über „Chronik der Zukunft“, ein Werk über den Super-GAU in Tschernobyl, zu schreiben, greife ich zunächst etwas ratlos zu anderen als meinen eigenen Worten. In den tagebuchartigen Aufzeichnungen der österreichischen Autorin Ilse Aichinger findet sich die folgende Passage:

„Es kann immer noch finsterer werden. Es ist nicht logisch, dass in der Mitte der Nacht die Helligkeit steigt. Es wäre logisch, dass die Finsternis sich in sich fortsetzte, dass die Nacht keine Mitte hätte.“

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Premierenerfahrung von Mithra Zahedi zu „Flug Nr. 745“

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Heute Abend darf ich die Deutschlandpremiere des Stückes, „Flug Nr. 745“ aus dem Iran in der Schaubude besuchen. Ich bin ziemlich zeitig im Foyer des Theaters und warte. Nach einer Weile sehe ich eine sympathische Frau, die unauffällig hereinkommt. Das müsste die Regisseurin sein. Ich hatte vorher ein paar Fotos von ihr bei der Recherche über das Stück gesehen. Ich spreche sie unsicher an; Marjan Poorgholamhossein bejaht meine Frage nach ihrem Namen auf Englisch, worauf ich sie dann auf Farsi richtig begrüße. Sie müsse sich noch für die Premiere vorbereiten, sagt sie. Ich erwidere, dass ich dies gut verstehe und mich freuen würde, wenn sie nach der Vorstellung ein wenig Zeit für mich hätte.

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Daniel Langes „Puppertätsmärchen“ als freies Weiterspinnen nach „SchmetterDinge“

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Es war einmal eine Schmetterlingspuppe, Osiris, die kam in die Puppertät. Die Puppertät ist eine schwierige Zeit. Das wissen wir alle. Haben wir auch schon gemacht, die Puppertät. Durchgemacht. Von vorne bis hinten. Zum auf die Wande steigen war das. Man puppertiert so vor sich hin. Die Schmetterlingspuppe hatte auch keine Lust drauf. Da muss man durch. Die Puppertät, das Nadelöhr des Lebens. Die Schmetterlingspuppe fliegt so von Hormohn zu Hormohn, ein furchtbarer Trip. Alles camouflagiert, eingepuppt in einen Kokon von Pickeln. Kein Wunder, dass man denkt, es wird kein morgen geben. Man muss sich ablenken. An die Zukunft denken, trotz allem.

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Beate Absalon über „Cases“/“Häuser“ von Xesca Salvà

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Kandor: Heimatstadt Supermans, die vom Bösewicht Brainiac auf Miniaturgröße geschrumpft und dann vom Superhelden zurückgewonnen, mit einer Glasglocke geschützt und auf seine „Fortress of Solitude“ gebracht wurde, wird im Laufe der Comicgeschichten als affektiv aufgeladener Rückkehrort dargestellt. In Zeiten der Melancholie zieht sich Superman auf die „Festung der Einsamkeit“ zurück und kümmert sich wehmütig-liebevoll um seine geschrumpfte Geburtstätte. Die sensible und emotional aufgeladene Miniaturstadt wird zur Projektionsfläche für privates Begehren und intime Erinnerungen. Der stärkste Mann der Welt: sogar er steht der schmerzvollen Verlusterfahrung vergangener Zeiten wehrlos und in isolierter Trauer gegenüber.

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